sich erlauben Kraft zu schöpfen

Das Leben hat Kurven, Stolpersteine, Kanten, Mauerwerk, reißende Ströme, Berge und Löcher…

ich habe zwei Berufe gelernt, ein abgeschlossenes Bachelorstudium – den (gewechselten) Master in Arbeit und bin seit über drei Jahren berentet…

gerade sagte ich einen der neuen Kurse ab, obgleich das Semester kaum eine Woche alt ist, und fühle mich wie aufgeben…

und klar es ist das Wichtigste sich die Kräfte einzuteilen und Luft zu holen bevor diese einem ausgeht. Aber manchmal ist es eben schwierig…

bei jeder Entscheidung, die zu treffen ist, muss ich inzwischen die möglichen Schwierigkeiten mitbedenken und so oft genug einen Schritt zurückgehen nachdem ich zwei vorangeschritten bin…

es ist das Vernünftigste, aber nicht immer das Beste. Denn ich vermisse zuweilen meine Spontanität und die Freiheit loszulassen und in den Moment, das Leben einzutauchen… meine Arbeit als Tierpflegerin vermisse ich schrecklich, aber auch das Besuchen von Konzerten und Festivals oder eben einfach mal auszugehen… meine Familie länger zu besuchen, zählt inzwischen auch zur Kategorie „ist halt nicht drin oder nur unter Auflagen“…

manchmal kostet es Kraft, die mir oft fehlt und ich benötige Hilfe, obgleich ich immer selbstständig war und ich bleibe stumm, wenn ich doch schreien möchte und stehen, wo es doch ums Rennen geht…

trotz allem und das werde ich nie vergessen… ich bin glücklich und ich konnte so viele schöne, interessante, aufregende Sachen in meinem Leben erleben… es sind die besten Erinnerungen und ich bin für alles (auch das nicht so schöne) dankbar…

und bin es auch heute… denn ich schätze mich glücklich…

man muss auch mal anhalten, sauer sein, unzufrieden gar… nur niemals verbittert…

denn auch der Weg kann zum Ziel werden, wenn die Ziellinie selbst auch manchmal in weite Ferne rückt…

rennen nicht laufen

zu allererst: gebt acht auf euch und eure Lieben…

Nun zu etwas, an dem ich seit längerem sitze; da es immer wieder von neuem aufkommt zum einem und da ich gerade selbst mal wieder an der besten Taktik dafür arbeite zum anderen:

Ich habe im allgemeinen weniger Duchhaltevermögen als man mir zuschreibt und tendiere leider dazu Projekte schnell aufzugeben oder Einfälle gar nicht erst umzusetzen…

nicht weil es zu schwierig wäre oder ich schlicht die Lust verliere daran, sondern da mir nicht nur ein „Schweinehund“ im Nacken sitzt – nein eine ganze Sippschaft – und mir einredet, dass der Weg zu weit, die Hürde zu hoch, die Zeit eh längst vertan ist…

und somit bleibe ich zuweilen stehen, trete zurück oder laufe gar nicht erst los…

Und da ich schon immer so war und ja trotzdem nicht mein Leben zurückstellen wollte, habe ich mir Wege gesucht, um mit dieser meiner recht flatterhaften Grundhaltung und den zähnefletschenden „Schweinehunden“ im Rücken nicht nur umzugehen, sondern diese zu nutzen auch besser mit meiner Krankheit zu leben…

denn genau wie ich zurückschrecke, bin ich noch lieber aktiv und treibe mit dem Kopf voran in die nächste Aufgabe, das mögliche Projekt, die Herausforderung, das Abenteuer… mit zwei Herzen in der Brust und fünf Personen im Geist… ist recht laut manchmal…

(aber Spaß beiseite oder vielmehr dass was ich dafür halte)

ich funktioniere am besten unter der Schwere einer schier erdrückenden Aufgabe… und ich spreche nicht von sich selber unnötig Stress machen oder machen lassen… es geht darum mir Aufgaben zu stellen, die ich beenden muss, komme was da wolle (auch wenn ich im Feld stehe und der Weg nach Hause noch in weiter Ferne liegt) …

und wie alles was ich hier als Ratschlag in die Welt trage – es sind meine Erfahrungen und jeder muss für sich selbst einschätzen, was er oder sie mit diesen anfängt…

so nun endlich zum Text:

mir ist in den vergangenen zehn Jahren mehrfach die Fähigkeit sicher und ausdauernd zu laufen weggebrochen und was mir am besten hilft das wiederaufzubauen bzw. zurückzugewinnen, ist zu rennen oder im Harzer Wald zu wandern…

und wenn ich sage „rennen“, meine ich joggen und wenn ich jogge dann in einem Tempo, in welchem andere gehen – ich habe mir schon einige Male erfolgelose Rennen mit Spaziergängern geliefert 😉

aber es geht nicht um Schnelligkeit oder um Stil, sondern darum andere Muskeln und Nerven anzusprechen und auch das Gleichgewicht differenzierter zu trainieren als beim einfachen Gehen – es fällt mir wesentlich leichter, ich bin ausdauernder und das schlichte gehen, wird dadurch auch stabilierer… zumindest bis zum nächsten Einbruch, von welchem es sich dann auch wieder schneller aufbauen lässt…

um überhaupt wieder auf die Beine zu kommen, half (und an schlechten Tagen hilft) mir ein Rollator, aber ab dem Punkt da ich die Grundstabilität zurück habe und es um Ausdauer und Kraft geht und damit die Wegstrecken zu verlängern und das Laufen angenehmer zu gestalten, setze ich die zugegebenermaßen etwas extremere Trainingsstrategie ein und gestalte entsprechend auch meine Laufstrecken… diese sind vor vornherein länger als mein aktueller Ausdauerstand (und dabei laufe ich nicht mehrere kleine Runden, sondern nach Möglichkeit eine Großrunde – von wegen der „Schweinehunde“ – und arbeite mit Intervallen aus joggen, gehen, wenn nötig stehen bis es weitergeht). Ich kombiniere das Ganze dann natürlich noch mit regulärem Reha-Sport und Physiotherapie bzw. Lymphdrainagen, aber vor allem auch Pflege zu Hause und Yoga…

ich bin bemüht jeden Tag ein bisschen für das Training zu machen; so wird es weder zu viel noch zu einseitig und lässt sich in den Lebensalltag einflechten…

aber das sich neuen Herausforderungen stellen und darüber die eigenen Grenzen nicht nur auszuloten, sondern wenn möglich zu erweitern, ist etwas das mir im Umgang mit der Krankheit und dem Rudel „Schweinehunde“ hilft und stets geholfen hat…

es ist so wichtig sich unter den gegebenen Verhältnissen auch körperlich fit zu halten, nicht nur im Umgang mit einer chronischen Erkrankung…