die Not in der Wendigkeit

Immer habe ich es geliebt zu laufen, zu wandern und mir unbekannte wie liebgewonnene Umgebungen zu erschließen, vielleicht sogar Neues zu ergründen… meistens habe ich mich dann erstmal verlaufen, da doch schließlich hinter dieser oder jene Kurve noch irgendetwas kommen könnte, was mein Interesse erweckt…

seit meine Gehfähigkeit immer schlechter wird und vor einigen Jahren fast weggebrochen ist oder genauer im Laufe von einigen Jahren und immer mal wieder (mehr) rapide abbaut, ist aus der Lust zum wandern (wie aus so vielem inzwischen) eine Notwendigkeit erwachsen… und ich gebe zu, dass es Tage gibt, an denen es mir schwer fällt die Freude an meinen Freitzeitbeschäftigungen, die ja nun mehr Therapieprogrammen ähneln, nicht gänzlich zu verlieren…

oft genug fällt mit diese Entwicklung nicht gleich auf, denn ich sehe die Wichtigkeit dahinter und bin begeistert, dass da Dinge, die ich liebe nun auch da sind mir zu helfen und meine Eigenständigkeit zu erhalten beziehungsweise zu unterstützen… und es ist ungemein wichtig sich nicht die Freude nehmen zu lassen auch unter der Maßgabe, dass einiges schlicht nicht mehr so machbar ist, wie es ja doch immer ging…

und doch gibt es mir manchmal einen Stich zu sehen und einzusehen, dass das Leben nun so viel kleiner geworden ist… dass ich nicht mehr arbeiten kann und mir auch das Lernen immer schwerer fällt, dass ich oft genug „nein“ sagen muss, bin ich eingeladen (schon klar Pandemie – dass müssen wir gerade alle durch, aber ihr wisst sicher was ich meine) und ich könnte weiter ausholen mit all dem, aber will jetzt erstmal aufs Wandern hinaus…

etwas, das ich tatsächlich nicht mehr mag und entsprechend vergangenes Jahr auch unterlassen habe… das Wandern, das Gehen über eine längere Strecke… denn es tat weh, ich werde ataxisch – auch seit Jahren, aber es verschlechtert sich weiter…

der Witz ist, dass ich zum Ende des letzten Jahres tatsächlich recht gut joggen konnte und das über lange Strecken, aber eben nicht mehr gehen. Denn ich rannte, um das Gehen zu trainieren und habe dabei dieses unterlassen, wann immer es mir möglich war… und ich bin gerannt und ich bin gestolpert und vor allem nicht nur einmal schwer gestürzt… und doch bin ich gerannt mit Freude und steigender Ausdauer…

es ist wohl klar worauf das hinauslaufen wird… die Diskrepanz zwischen Laufen und Gehen war es was das Stürzen und Verletzen mit sich brachte… eine Erkenntnis, für die ich ernüchternd lange und eine verletzungsbedingte Zwangspause gebraucht habe…

und nun, um den Kreis endlich zu schließen… ich renne mittlerweile wieder, aber nur soweit wie ich auch gehen kann und beides trainiere ich jetzt in tandem, denn ich möchte meine Begeisterung fürs Wandern zurück…

ja es ist notwendig, so wie fast alles inzwischen… aus Freizeit wurde und wird Arbeit und aus Bekannten allzu Neues (ob man nun will oder nicht)… man muss wendig bleiben… doch das Müssen kann und möchte auch Freude sein und bleiben…

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