noch erträglich schläfrig

„Und was hast du dir für das neue Jahr so vorgnommen?“ ist zwar eine Frage, die nicht ganz so unliebsam ist, wie die nach dem Wohlbefinden, aber zu beantworten wage ich sie trotzdem nicht mehr…

Eine Sache, die ich schnell lernen musste (und manchmal wiedererlernen muss), ist, dass langfristige Pläne die Tendenz haben zu zerfallen oder sich wenigstens zu verschieben in Richtungen mit denen ich nicht gerechnet hatte (seltens gehofft)…

MS ist eine chronische Erkrankung des zentralen Nervensystems, bei der ganz simpel ausgedrückt (und ja, das ist die einfache Erklärung): die Nervenbahnen (alle, wenn auch nicht gleichzeitig, aber auch nicht ungedingt einzeln) angegriffen werden (bzw. das Gewebe, das diese ummantelt, um den Reiz zu potenzieren, was entzündlichen Prozessen entspricht, die über kurz oder lang die Nerven selbst zerstören können/werden) in dem Sinne, dass die Reize langsamer bis gar nicht mehr zu den Stellen des Körpers gelangen, die angesprochen wurden – sprich Gehirn kaputt = alles kann dir passieren = ganz schlecht = Lebensläufe ändern sich (un)regelmäßig…

Aber! Jeder Krankheitsverlauf ist anders – die Krankheit mit den tausend Gesichtern heißt sie auch so eloquent und das ist (leider) sehr richtig. Jeder kann alles, muss aber (zum Glück) nicht alles erwarten. Bei circa der Hälfte der Betroffenen (zumindest ist das mein letzter Stand dieser Statistik) bleibt die Krankheit immer „nur“ schubförmig remitierend (d.h. die Nerven können sich erholen, verlorene/eingeschränkte Fähigkeiten zurückerlangt werden), beim Rest kippt es nach etwa 10 bis 15 Jahren und das mit dem zurückerlangen löst sich allmählich auf (nicht unbedingt in Wohlgefallen)… dann gibt es auch die selteneren Fälle, in denen der Verlauf vonvornherein gar nicht erst schubförmig ist…

Wann man so erkrankt ist auch ein nicht unwichtiger Faktor … wie bei vielem im Leben…

Viele merken es über Jahre nicht, andere sind tagtäglich eingeschränkt auf die ein oder andere Weise – ich gehöre zur zweite Gruppe…

Soviel zu der (wenn auch sehr simplifizierten) erklärende Seite dieses Eintrages (und ja ich wollte Lehrerin werden ;))

So richtig eingeholt, eingenommen, weil überrannt und übermannt hat mich die Erkrankung vor circa 5 Jahren (krank bin ich seit 20Jahren inzwischen) – ich halte mich also zumindest dahingehend an die Statistik…

Nein, auf lange Sicht planen, habe ich mir abgewöhnt und damit irgendwie auch die (häufig doch zu großen) guten Absichten für das neue Jahr – kleine Schritte und das kleine Glück im Augenblick wertschätzen sind die großen Hoffnungen, die für mich immer gelten sollen und wollen…

vom Fehlen der Worte

…und dann weiß ich mal wieder nicht was sagen, wenn sie kommt (denn sie kommt immer) diese Frage nach dem eigenen Wohlbefinden, den Befindlichkeiten des Alltags, des Alltäglichen, des (meines) Lebens mit der Krankheit…

…und da es niemals eine einfache, eine klare, gar eine immer gültige Antwort auf diese Frage gibt, weicht (weiche ich) dieser nur allzu gerne aus – mit Platitüden, mit Gegenfragen, zuweilen auch mit dem (zu) vielsagenden Schweigen…

…was nun hier entstehen soll (zumindest in Ansätzen) ist nicht die alles erklärenden (weil für jeden, der fragt, beruhigende) Antwort auf diese Frage, sondern das (nach)Zeichnen, besser noch das (an)Zeigen eines Weges…

…eines (meines) Weges vom Umgang mit der Multiplen Sklerose…

…von Verzweiflung, von Hoffnung, von Resignation, von Dankbarkeit, vom Luftanhalten und Aufschreien zum Aufatmen und Durchatmen…

…und wiedervonvorn…

…vielleicht kann es helfen, vielleicht ist es irrelevant, aber es wichtig zu wissen: Du bist nicht allein!…